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Mittelstandsanleihen: Totgesagte leben länger

Aufgrund der zahlreichen und durch hohe Volumina geprägten Ausfälle und Restrukturierungen von Mittelstandsanleihen in den Jahren 2016 und 2017 wurde das Segment in Teilen der Presse hart kritisiert und vorausgesagt, dass es, wie der Neue Markt zur Jahrtausendwende, nicht überleben werde. Allerdings haben Emittenten und Investoren die (über)kritische Presse Lügen gestraft, wie folgende Grafik zeigt.


Abb. 1: Mittelstandsanleihe-Emissionen in Deutschland seit 2012
Quelle: IR.on “KMU-Anleihen: Jahresrückblick 2018 und Ausblick 2019“

Demnach ist die Zahl der Emissionen im Jahr 2018 wieder deutlich angestiegen und erreichte mit 35 emittierten Mittelstandsanleihen den dritthöchsten Wert seit 2012.
Als Reaktion auf die zahlreichen Ausfälle und Restrukturierungen und des darunter leidenden Images des Segments Mittelstandsanleihen, schaffte die Deutsche Börse das meistgenutzte Segment Entry Standard ab und ersetzte es durch das Nachfolgesegment Scale. Dieses stellt deutlich höhere Zulassungsanforderungen und Folgepflichten an Emittenten als der Vorgänger. Ziel war, eine härtere Auswahl der Emittenten zu gewährleisten und dadurch eine höhere Qualität an den Markt zu bekommen.

Der Markt funktioniert
Die Umbenennung und die höheren Anforderungen von Scale waren jedoch nicht entscheidend für die Trendwende bei Mittelstandsanleihen. Der Markt hat sich über eine härtere Auswahl der Investoren bereinigt. Eine Vielzahl von Emissionen konnte nicht voll platziert werden, da kein ausreichendes Interesse seitens der Investoren vorlag. Ein deutlicher Unterschied zu den Anfangsjahren, in denen nahezu jede Emission mit großem Erfolg platziert werden konnte.
Scale wird von Emittenten eher selten genutzt, da insbesondere die vergleichsweisen hohen Kosten bemängelt werden, ohne dass diesen ein entsprechender Mehrwert gegenübersteht. Unternehmen favorisieren überwiegend den Freiverkehr, insbesondere in Frankfurt (ohne Einbezug in Scale). Allerdings dürfte die Umbenennung des Segments durch die Deutsche Börse eine Signalwirkung und damit einen positiven Effekt auf das Segment Mittelstandsanleihe gehabt haben, da hierdurch der Veränderungswille des Segments in der Öffentlichkeit deutlich wurde.

Höhere Vielfalt hat sich durchgesetzt
Die in der Vergangenheit bestehende Konzentration bei den platzierenden Banken ist Geschichte. Waren es in den Boomjahren eine Handvoll Banken, die den Großteil der Emissionen begleitet haben, ist die Vielfalt größer geworden. Es gibt neben verschiedenen durch Wertpapierhandelsbanken begleitete Platzierungen auch eine Reihe von Eigenemissionen. Bei den Geschäftsmodellen der Emittenten macht zwar die Immobilienbranche mit über einem Drittel der Emissionen den Großteil aus, aber dahinter gab es Platzierungen von Unternehmen aus einer Vielzahl von Branchen.
Nach den Übertreibungen zu Beginn und dem Kater danach, hat sich das Segment Mittelstandsanleihe auf einem vernünftigen Niveau eingependelt und sich langfristig als Finanzierungsalternative bei Emittenten sowie als Anlagealternative bei Investoren etabliert.

Als Ansprechpartner stehen Ihnen Jan Mayerhöfer und Kolja Schick zur Verfügung.

mayerhöfer & co im BondGuide-Special „Anleihen 2015“

Im BondGuide-Special „Anleihen 2015“ (Seite 44 bis 46) berichtet mayerhöfer & co über den neuen Trend erstrangig besicherter Immobilienanleihen und gibt hierzu einen interessanten Marktüberblick. Dabei wird auf die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Anleihen und der Anleihebedingungen eingegangen. Es werden Trends aufgezeigt, z.B. bei der für Immobilienanleihen wichtigen Besicherung, und auf die Frage eingegangen, wie aussagekräftig die historischen Finanzzahlen der Emittenten sind. Außerdem wird gezeigt, warum Immobilienanleihen sowohl für die Immobilienbranche als auch für Investoren interessant sind und auch in Zukunft bleiben werden.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Unseren Bond Guide Artikel finden Sie im Anhang oder unter den Bond Guide TopNews.

Mittelstandsanleihe-Markt – Schwaches 1. Halbjahr 2014

Nachdem das Jahr 2013 (siehe H1 2013 und H2 2013) gemessen an der Anzahl der Emissionen das erfolgreichste Jahr seit Einführung der Mittelstandsanleihen war, ist der Markt im ersten Halbjahr 2014 praktisch zusammen gebrochen. Mit lediglich vier Emissionen mit einem platzierten Volumen von weniger als 100 Mio. Euro sind so wenige Mittelstandsanleihen platziert worden wie noch nie.
Bereits in unserem letzten Mittelstandsanleihe-Markt Update hatten wir ein sich weiter verschlechterndes Platzierungsumfeld vorhergesagt. Gründe dafür sind hauptsächlich die zahlreichen Insolvenzen von Mittelstandsanleiheemittenten. Außerdem haben sich zu viele Emittenten nicht an die Transparenzregeln gehalten, indem die geforderten Zahlenwerke bzw. Ratings nicht oder zu spät vorgelegt wurden. Dadurch haben die Emittenten viel Vertrauen bei den Investoren verspielt.
Wir gehen dennoch weiterhin davon aus, dass das Segment Mittelstandsanleihe eine Zukunft hat, sollte die Entwicklung der vergangenen Monate eine marktbereinigende Wirkung zeigen und die Marktteilnehmer zum Umdenken bringen. Wenn schon im Vorfeld von Emissionen eine stärkere Selektion durch die Börsen und Berater stattfindet und verstärkt „Qualitätsunternehmen“ als Emittenten auftreten, werden die Investoren wieder Vertrauen fassen können. Dann hätte das aktuell schwierige Umfeld seinen Beitrag dazu geleistet, dass Mittelstandsanleihen als sinnvolle Finanzierungsalternative für mittelständische Unternehmen eine langfristige Zukunft haben.

Aktuelle Daten und Fakten zum ersten Halbjahr 2014 finden sie auch in unserem halbjährlich erscheinenden Mittelstandsanleihe-Markt Update:
Mittelstandsanleihen-Markt Update 1. Halbjahr 2014

Selbstverständlich erstellen wir für Sie gerne nach Bedarf spezifische Auswertungen über Mittelstandsanleihen.
Als Ansprechpartner stehen Ihnen Volker Kempf und Kolja Schick gerne zur Verfügung.

Mittelstandsanleihe-Markt – Der Wind wird rauer

Wie bereits in den ersten sechs Monaten war auch die zweite Jahreshälfte 2013 durch eine hohe Emissionstätigkeit geprägt. Insgesamt 17 Mittelstandsanleihen wurden im zweiten Halbjahr 2013 platziert. Mit 33 Anleiheemissionen war das Jahr 2013 gemessen an der Anzahl das erfolgreichste Jahr seit Einführung der Mittelstandsanleihen in 2010.
Ebenfalls hat sich der Trend zu kleineren Emissionen und einer zunehmenden Bedeutung des „Entry Standards“ in Frankfurt unter den Börsenplätzen fortgesetzt.
Allerdings hat sich aufgrund zahlreicher negativer Unternehmensmeldungen von Anleiheemittenten das Platzierungsumfeld im zweiten Halbjahr 2013 verschlechtert. Insgesamt ist zu verzeichnen, dass der Wind für die Emittenten deutlich rauer geworden ist. Emittenten, die vor einiger Zeit  womöglich noch problemlos ihre Anleihen platziert bekommen hätten, mussten in Anbetracht des selektiveren Marktumfelds ihre Emissionspläne nun gänzlich auf Eis legen.
Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass für eine erfolgreiche Anleiheplatzierung den Kennzahlen des Anleiheemittenten und den Anleihebedingungen eine immer höhere Bedeutung beizumessen ist. Wir gehen davon aus, dass sich der Trend zu einer verstärkten Qualitätsselektion durch die Investoren auch in 2014 fortsetzen wird und damit das Umfeld für die Platzierung von Mittelstandsanleihen in 2014 deutlich rauer wird.   

Aktuelle Daten und Fakten zum zweiten Halbjahr 2013 finden sie auch in unserem halbjährlich erscheinenden Mittelstandsanleihe-Markt Update

Selbstverständlich erstellen wir für Sie gerne nach Bedarf spezifische Auswertungen über Mittelstandsanleihen.
Als Ansprechpartner stehen Ihnen Volker Kempf und Kolja Schick gerne zur Verfügung.

Der Wettbewerb unter Bookrunnern nimmt zu

Nach dem Start des Segments in 2010 dominierten Eigenemissionen bei der Platzierung von Mittelstandsanleihen. Als neue Assetklasse mit attraktivem Kupon konnte nahezu jede Mittelstandsanleihe voll platziert werden. Mittlerweile jedoch spielen Eigenemissionen keine große Rolle mehr, der „richtige“ Bookrunner ist für den Platzierungserfolg immer wichtiger geworden.

Die folgende Übersicht* zeigt die Verteilung der Emissionen der wichtigsten Emissionshäuser (berücksichtigt wurden Bookrunner mit mindestens 4 Emissionen):
Bookrunner

Als eindeutiger Marktführer unter den Bookrunnern hat sich mit 22 Emissionen Close Brothers Seydler positioniert. Damit begleitete die Bank rd. ein Viertel aller Emissionen. Zweitstärkster Player ist die equinet Bank mit acht Platzierungen, gefolgt von der quirin Bank mit sieben.

Qualitative und quantitative Unterschiede
Zwar wurden über 80% der Mittelstandsanleihen von den oben genannten marktführenden Emissionshäusern platziert. Insgesamt haben jedoch rd. 25 Emissionshäuser an der Begebung von Mittelstandsanleihen mitgewirkt. Die Mehrzahl der Emissionshäuser hat dabei lediglich als Co-Manager fungiert. Neben der Quantität gibt es auch bei der Qualität Unterschiede. Nicht alle Bookrunner konnten die hohen Platzierungsquoten der führenden Emissionshäuser erzielen. Folgende Übersicht* zeigt den Platzierungserfolg:

Platzierungserfolg

Vielzahl an Emissionshäusern sorgt für Wettbewerb
Die relativ hohe Zahl von Emissionshäusern (25 Emissionshäuser gegenüber 89 Emissionen) zeigt, dass das Segment für viele Emissionshäuser interessant ist. Dementsprechend ist auch der Wettbewerb unter den Emissionshäusern groß. In letzter Zeit sind zudem neue Akteure hinzugekommen. So hat z.B. Steubing mit der Übernahme eines Teils des Teams von Close Brothers Seydler seine Anstrengungen verstärkt sowie die Lampe Bank mit DIC und Credit Suisse mit der Emission der Tag Immobilien AG im Prime Standard der Deutschen Börse den Eintritt in das Segment vollzogen. Wir erwarten, dass der steigende Wettbewerbsdruck die Verhandlungsposition von Emittenten gegenüber Emissionshäusern stärkt. Ferner könnte der steigende Wettbewerb zu sinkenden Platzierungsprovisionen führen und somit die Emissionskosten reduzieren.
* Stand: 30. Juni 2013