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Mittelstandsanleihe-Markt – Schwaches 1. Halbjahr 2014

Nachdem das Jahr 2013 (siehe H1 2013 und H2 2013) gemessen an der Anzahl der Emissionen das erfolgreichste Jahr seit Einführung der Mittelstandsanleihen war, ist der Markt im ersten Halbjahr 2014 praktisch zusammen gebrochen. Mit lediglich vier Emissionen mit einem platzierten Volumen von weniger als 100 Mio. Euro sind so wenige Mittelstandsanleihen platziert worden wie noch nie.
Bereits in unserem letzten Mittelstandsanleihe-Markt Update hatten wir ein sich weiter verschlechterndes Platzierungsumfeld vorhergesagt. Gründe dafür sind hauptsächlich die zahlreichen Insolvenzen von Mittelstandsanleiheemittenten. Außerdem haben sich zu viele Emittenten nicht an die Transparenzregeln gehalten, indem die geforderten Zahlenwerke bzw. Ratings nicht oder zu spät vorgelegt wurden. Dadurch haben die Emittenten viel Vertrauen bei den Investoren verspielt.
Wir gehen dennoch weiterhin davon aus, dass das Segment Mittelstandsanleihe eine Zukunft hat, sollte die Entwicklung der vergangenen Monate eine marktbereinigende Wirkung zeigen und die Marktteilnehmer zum Umdenken bringen. Wenn schon im Vorfeld von Emissionen eine stärkere Selektion durch die Börsen und Berater stattfindet und verstärkt „Qualitätsunternehmen“ als Emittenten auftreten, werden die Investoren wieder Vertrauen fassen können. Dann hätte das aktuell schwierige Umfeld seinen Beitrag dazu geleistet, dass Mittelstandsanleihen als sinnvolle Finanzierungsalternative für mittelständische Unternehmen eine langfristige Zukunft haben.

Aktuelle Daten und Fakten zum ersten Halbjahr 2014 finden sie auch in unserem halbjährlich erscheinenden Mittelstandsanleihe-Markt Update:
Mittelstandsanleihen-Markt Update 1. Halbjahr 2014

Selbstverständlich erstellen wir für Sie gerne nach Bedarf spezifische Auswertungen über Mittelstandsanleihen.
Als Ansprechpartner stehen Ihnen Volker Kempf und Kolja Schick gerne zur Verfügung.

Mittelstandsanleihe-Markt – Der Wind wird rauer

Wie bereits in den ersten sechs Monaten war auch die zweite Jahreshälfte 2013 durch eine hohe Emissionstätigkeit geprägt. Insgesamt 17 Mittelstandsanleihen wurden im zweiten Halbjahr 2013 platziert. Mit 33 Anleiheemissionen war das Jahr 2013 gemessen an der Anzahl das erfolgreichste Jahr seit Einführung der Mittelstandsanleihen in 2010.
Ebenfalls hat sich der Trend zu kleineren Emissionen und einer zunehmenden Bedeutung des „Entry Standards“ in Frankfurt unter den Börsenplätzen fortgesetzt.
Allerdings hat sich aufgrund zahlreicher negativer Unternehmensmeldungen von Anleiheemittenten das Platzierungsumfeld im zweiten Halbjahr 2013 verschlechtert. Insgesamt ist zu verzeichnen, dass der Wind für die Emittenten deutlich rauer geworden ist. Emittenten, die vor einiger Zeit  womöglich noch problemlos ihre Anleihen platziert bekommen hätten, mussten in Anbetracht des selektiveren Marktumfelds ihre Emissionspläne nun gänzlich auf Eis legen.
Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass für eine erfolgreiche Anleiheplatzierung den Kennzahlen des Anleiheemittenten und den Anleihebedingungen eine immer höhere Bedeutung beizumessen ist. Wir gehen davon aus, dass sich der Trend zu einer verstärkten Qualitätsselektion durch die Investoren auch in 2014 fortsetzen wird und damit das Umfeld für die Platzierung von Mittelstandsanleihen in 2014 deutlich rauer wird.   

Aktuelle Daten und Fakten zum zweiten Halbjahr 2013 finden sie auch in unserem halbjährlich erscheinenden Mittelstandsanleihe-Markt Update

Selbstverständlich erstellen wir für Sie gerne nach Bedarf spezifische Auswertungen über Mittelstandsanleihen.
Als Ansprechpartner stehen Ihnen Volker Kempf und Kolja Schick gerne zur Verfügung.

Mittelstandsanleihen – Investorenlust trotz Ratingfrust

Aktuell sind Mittelstandsanleihen und insbesondere deren Ratings in’s Gerede gekommen. Mit der Windreich AG kann bereits der siebte Emittent seine Anleihen nicht mehr bedienen. Die meisten der Pleite-Emittenten verfügten jedoch über Ratings, die nicht auf eine baldige Pleite schließen ließen. Zudem fällt auf, dass insbesondere die Erstratings zum Zeitpunkt der Emission häufig relativ gut ausfallen, die Ratingagenturen ihr Urteil im Nachhinein jedoch nach unten anpassen. Ein besonders krasses Beispiel ist der Fall der MS Deutschland Anleihe, die zur Emission von Scope mit A- geratet wurde. Nachdem das Unternehmen seine Planzahlen neun Monate später deutlich nach unten korrigieren musste, wurde das Rating um vier Stufen auf BBB- herab gesetzt.

Mittelstandsanleihen sind bei Investoren weiterhin gefragt
Trotz dieser schlechten Nachrichten und der damit zunehmenden negativen Berichterstattung in den Medien sind die Investoren weiterhin mehrheitlich positiv gestimmt. Dies dürfte zum Großteil der Tatsache geschuldet sein, dass die insolventen Emittenten mehrheitlich aus dem Sektor Erneuerbare Energien kommen. Emittenten aus anderen Branchen können ihre Mittelstandsanleihen weiterhin erfolgreich platzieren. So fand die letzte Mittelstandsanleihe-Emission (HELMA Eigenheimbau AG) am 9. September, dem Tag der Insolvenz der Windreich AG, statt und wurde aufgrund der großen Nachfrage bereits am ersten Platzierungstag vorzeitig beendet. Ein weiteres Zeichen: mit 64% notiert der Großteil der Mittelstandsanleihen über pari, wie folgende Übersicht zeigt.

 Aufteilung der emittierten Mittelstandsanleihen nach aktueller Kurshöhe*

Aufteilung der emittierten Mittelstandsanleihen nach aktueller Kurshöhe

Investoren und Ratingagenturen sind häufig gleicher Meinung
Schaut man sich die durchschnittlichen Renditen der emittierten Mittelstandsanleihen aufgeteilt nach Ratingklassen an, zeigt sich, dass die Rendite tendenziell höher ist, je schlechter das Rating ausfällt. Dafür ist zum Teil das Verhalten der Ratingagenturen verantwortlich, die Ratings nach unten anpassen, nachdem schlechte Unternehmensnachrichten bereits für sinkende Kurse gesorgt haben. Das gilt jedoch nicht in allen Fällen, was bedeutet, dass die Investoren bezüglich der Risikoeinschätzung häufig der gleichen Meinung sind wie die Ratingagenturen.

Median-Renditen der emittierten Mittelstandsanleihen nach Ratingklassen*

Median-Renditen der emittierten Mittelstandsanleihen nach Ratingklassen
 
Veränderungen des Marktsegments werden auch Ratingagenturen betreffen
Obwohl die Ratingagenturen zuletzt in die Kritik geraten sind, zeigt das Verhalten der Investoren, dass nicht alles falsch ist, was die Agenturen publizieren. Die Nachfrage nach Mittelstandsanleihen ist unter Investoren weiterhin vorhanden und es findet trotz der Insolvenzen von Emittenten keine Verkaufswelle statt. Investoren schauen sich die Emittenten sehr genau an und entscheiden, wem sie ihr Geld anvertrauen. Das noch junge Marktsegment Mittelstandsanleihe wird noch die eine oder andere Veränderung durchmachen und dazu wird sicher gehören, dass die Ratingagenturen schon beim Erstrating genauer hinschauen, um den Eindruck von Gefälligkeitsratings zu vermeiden.

*   Stand: 10.09.2013
** Unternehmen, deren Aktien im regulierten Markt gehandelt werden, benötigen kein
    Rating

Mittelstandsanleihe Markt H1 2013 – Licht und Schatten

Im ersten Halbjahr 2013 wurden mit 17 Mittelstandsanleihen und einem platzierten Anleihevolumen von rd.  630 Mio. Euro neue Maßstäbe gesetzt. Nach drei Jahren hat sich das Marktsegment „Mittelstandsanleihe“ mit nun mehr als 89 Emissionen und einem Anleihevolumen von rd.  3,7 Mrd. Euro etabliert.

Als Trends sind im ersten Halbjahr 2013 folgende Entwicklungen herauszustellen:

- Die Emissionsvolumina werden tendenziell kleiner (H1 2013: rd. 35% ≤ 20 Mio. Euro, H1 2012: rd. 17% ≤ 20 Mio. Euro)

- Der „Entry Standard“ in Frankfurt konnte mit 13 Emissionen mit Abstand die meisten Emissionen verzeichnen. „der mittelstandsmarkt“ in Düsseldorf konnte einen Emittenten gewinnen, der „Bondm“ in Stuttgart zwei.

- Der Textil- und Immobilienbereich war mit jeweils drei Emissionen am stärksten vertreten. In dem in der Vergangenheit starken Segment „Erneuerbare Energien“ wurde eine Anleihe mit mäßigen Erfolg (72 Mio. Euro statt der avisierten 300 Mio. Euro) platziert.

Das Rekordemissionsvolumen im ersten Halbjahr 2013 darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass ab Mai 2013 eine deutliche Verschlechterung der Platzierbarkeit zu beobachten war. So konnten fast alle Anleihen im Monat Juni nicht mehr vollständig platziert werden. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. Zum einen hat sich das Marktumfeld für Anleihen im Allgemeinen verschlechtert. Zum anderen gab es eine regelrechte Flut von Emissionen im Monat Juni – dies bedingt durch die anstehende Sommerpause. Ein ähnlicher Trend zeigte sich bereits im Sommer 2012.
Zudem ist zu verzeichnen, dass die Qualität der letzten Anleihen eher unterdurchschnittlich war. Zwei Emittenten konnten gerade noch ein B+ Rating aufweisen. Aus Sicht der Investoren bietet sich derzeit eine angenehme Situation. Auf Grund der Vielzahl der Emissionen haben Sie eine hohe Auswahlmöglichkeit. Aus Sicht der Emittenten stellt sich die Situation nicht ganz so erfreulich dar. Zum einen steht jede Neuemission in Konkurrenz zu den bereits platzierten Anleihen. Zum anderen ist auch im zweiten Halbjahr 2013 von einer hohen Anzahl von Emissionen auszugehen. Somit werden die Qualität des Emittenten und seiner Anleihestory sowie letztlich marktkonforme Anleihebedingungen einen noch höheren Stellenwert für eine erfolgreiche Platzierung einnehmen als in der Vergangenheit. Für Emittenten und Emissionsbanken, die sich den veränderten Marktbedingungen nicht beugen, wird die Platzierung einer Mittelstandsanleihe noch schwieriger.

Mittelstandsanleihen-Markt Update 1. Halbjahr 2013

Quelle: Bondm, Entry Standard, der mittelstandsmarkt